Das Bakterium Listeria monocytogenes gilt als zoonotischer Krankheitserreger, da es von Tieren auf Menschen und von Menschen auf Tiere übertragen werden kann. Besonders Nutztiere wie Rinder, Schafe und Ziegen können es tragen, oft ohne Krankheitszeichen. Neben tierischen Lebensmitteln wie Rohmilch und Fleischprodukten kann es auch über pflanzliche Produkte auf Menschen übertragen werden, etwa vorgeschnittene verpackte Salate oder Tiefkühlgemüse, das nach dem Auftauen ungekocht verzehrt wird.
Listeria ist deshalb nicht nur für Veterinärmedizin und menschliche Gesundheit, sondern auch für Lebensmittelsicherheit von großer Bedeutung. An der Universität Hamburg (HU) arbeiten Fachleute dieser Bereiche zusammen und beobachten die Hamburger Lage aufmerksam.
Mehr Listeria-Fälle in ganz Deutschland
Seit 2023 wird deutschlandweit ein Anstieg der Listeria-Infektionen beobachtet. Zwischen 2020–2022 lagen die jährlichen Fallzahlen bei 572 bis 586; 2024 stiegen sie um rund 20 Prozent auf 663. In Hamburg zeigt sich Ähnliches: Dem Zentrum für Infektionsepidemiologie des HU wurden 2021 und 2022 jeweils 7 und 6 Fälle gemeldet; 2023 und 2024 waren es in beiden Jahren 10.
Obwohl die Fallzahlen relativ niedrig erscheinen, lag die Listeria-Inzidenz in Deutschland 2024 bei 0,78. Die durchschnittliche Letalität ist mit 7 Prozent jedoch hoch. Laut Robert Koch-Institut (RKI) gehören Listeria-Infektionen damit zu den meldepflichtigen Krankheiten in Deutschland mit den höchsten Sterblichkeitsraten.
Woher kommen Listerien?
Listerien kommen in der Natur in Boden, Wasser und Pflanzen vor. Deshalb können Obst, Gemüse und Getreide bereits auf dem Feld oder bei der Ernte verunreinigt werden. Auch beim Melken sowie beim Schlachten und Verarbeiten von Fleisch können sie in Lebensmittel gelangen. In Produktionsanlagen können sie Maschinen, Oberflächen und Wasserleitungen besiedeln. Über schmutzige Schneidebretter, Messer oder Hände können sie von einem Produkt auf ein anderes übergehen, etwa von rohem Fleisch auf Salat.
Da Listerien sich auch bei Kühlschranktemperaturen vermehren können, ist dies besonders gefährlich. Hygienemängel beim Verpacken oder in Kühlsystemen können Produkte sogar nach ihrer Herstellung verunreinigen.
Wer ist gefährdet?
Bei gesunden Menschen verläuft eine Listeria-Infektion meistens mild. Für Schwangere, Neugeborene, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem kann sie jedoch lebensgefährlich sein. Bei ihnen sind schwere Komplikationen wie Hirnhautentzündung oder Sepsis möglich.
Besonders gefährdete Menschen sollten deshalb folgende Regeln der Küchenhygiene beachten:
- Küchengeräte wie Messer und Schneidebretter regelmäßig und sorgfältig reinigen,
- Alle Lebensmittel mindestens zwei Minuten lang bei einer Kerntemperatur von mindestens 70°C gründlich erhitzen,
- Bei kalt verzehrten Lebensmitteln auf das Verbrauchsdatum achten und sie möglichst vorher verzehren,
- Wenn möglich Produkte wie rohen Lachs, Rohmilch beziehungsweise Rohmilchkäse und rohes Hackfleisch vermeiden.
Lebensmittelkontrollen in Hamburg verschärft
Um Listeria-Risiken früh zu erkennen, veranstaltete die Universität Hamburg im März gemeinsam mit der Behörde für Justiz und Verbraucherschutz eine Schulung. Rund 60 Lebensmittelkontrolleure nahmen teil. Dabei wurde betont, Lebensmittelbetriebe besonders aufmerksam auf Listerien zu kontrollieren. Neben Arbeitsflächen wurden auch Schneidegeräte, Abflüsse und Maschinen in die Probenahme einbezogen.
Auch die Lebensmittelanalysen in den Laboren der Universität Hamburg richten sich verstärkt auf Listerien. Mit diesen Maßnahmen sollen verunreinigte Produkte erkannt werden, bevor sie auf den Markt gelangen, und die öffentliche Gesundheit geschützt werden.
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