Das vom Türkischen Presseverband Hamburg (HTBB) organisierte „Treffen von Medien und Zivilgesellschaft“ brachte führende Vereinsvertreter, Religionsvertreter, Geschäftsleute und Kulturschaffende der Stadt zusammen. Diskutiert wurden wichtige Zukunftsfragen der Gemeinschaft, insbesondere Medien, institutionelle Kommunikation, politische Repräsentation und die Bildung junger Menschen. Zu den zentralen Themen gehörten die Vorschläge des HTBB-Vorsitzenden Ahmet Durmuş für eine starke Medienstruktur und eine zweisprachige Stiftungsschule.
Bericht: Naciye ASLAN / Fotos: Kadir TAÇGIN – Naciye ASLAN
HAMBURG – Der Türkische Presseverband Hamburg (HTBB) organisierte am Freitag, dem 26. Juni, zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der Kommunikation zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen ein „Treffen von Medien und Zivilgesellschaft“ . Trotz des drückend heißen Sommerabends mit Temperaturen bis zu 38 Grad in Hamburg war die Veranstaltung im Saal der Türkischen Gemeinde in Hamburg und Umgebung (TGH) in Altona gut besucht.
An der Veranstaltung nahmen teil: TGH-Vorsitzender Murat Kaplan, Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft Norddeutschland (BIG) Mehmet Enes Nas, Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde Hamburg-Mitte Hülya Çağrı, Vertreter der syrisch-christlichen Gemeinde Hamburg Josef Aydın, Hamburger Regionalvorsitzender der Erbakan-Stiftung Süleyman Altınova, Hamburger Regionalvorsitzender der Saadet-Partei Europa Salih Demirci, Vorsitzender des Türkischen Elternbunds Hamburg Azmi Akgül sowie vom Weltrat der türkischen Wirtschaft (DTİK) der Hamburger Vorsitzende İrfan Gündoğan, Vorsitzender des Türkischen Kulturzentrums Hamburg Şahin Almaoğlu, Vorsitzender der Deutsch-Aserbaidschanischen Freundschaftsbrücke Halil Halilov, Vorsitzender der irakischen Turkmenen Remzi Jasim, KAR-DER-Kovorsitzender und Vertreter der Karakoçan-Stiftung Cemal Düven, Vorsitzender des Kieler Türk Ocağı Nevzat Güçlü, Vorsitzender des Sivas-Vereins Hamburg Ruhi Özer sowie vom Dachverband der Yozgat-Vereine in Deutschland Vorstandsmitglied Hakan Çakar und Unternehmer Yalçın Dayar, Pressesprecher des Fenerbahçe-Vereins Hamburg Mehmet Taner, Vorstandsmitglied des Trabzon-Vereins Hamburg Fatih Atasoy, Vorsitzender des norddeutschen Beşiktaş-Vereins Hamburg Mehmet Özlü, Rechtsanwältin Filiz Çapar, Dr. Belgin Işıltı Varol, Gründer des Theaters 4 Çeyrek Coşkun Üresin, Vorsitzende des Vereins Theater Asmin Migra Kunst Pakize Palabıyık, Schauspieler Kasım Palabıyık, Autor und Schauspieler Halil Babür sowie HTBB-Vorstands- und Vereinsmitglieder.
Das Programm begann mit der Eröffnungs- und Begrüßungsrede von HTBB-Vorstandsmitglied Rıza Atamtürk. Anschließend informierte Vorstandsmitglied Ali Akdemir über den Zweck des Treffens, die Aktivitäten des HTBB und seine Ziele für die kommende Zeit. Rıza Atamtürk und Ali Akdemir moderierten das Programm.
Ahmet Durmuş: „Die Stimme einer Gemeinschaft, die ihre Medien nicht unterstützt, bleibt leise“
Im ersten Teil des Treffens erklärte HTBB-Vorsitzender Ahmet Durmuş, eine starke Zivilgesellschaft könne sich nur mit starken Medien Gehör verschaffen.

„Gemeinschaften mit starken zivilgesellschaftlichen Organisationen brauchen auch eine starke Stimme. Der Weg dorthin führt über starke Medien.“ Das betonte Durmuş. Vereinsvorsitzende seien zugleich oft Geschäftsleute, was mit unterschiedlichen Verantwortlichkeiten einhergehe. Umso wichtiger sei es, dass die Gemeinschaft ihre eigenen Medien unterstütze.
Zwei neue Medienprojekte
Der HTBB wolle innerhalb von zwei Monaten zwei wichtige Projekte umsetzen, kündigte Durmuş an. Für ein „deutsch-türkisches Publikationsorgan“ und eine „deutsch-türkische Nachrichtenwebsite“ benötige man die Unterstützung der Wirtschaft und der zivilgesellschaftlichen Organisationen.
Der Vorsitzende erklärte: „Diese Projekte gehören nicht nur dem HTBB, sondern der gesamten Gemeinschaft. Wir können diese Last nicht allein tragen. Die Unterstützung unserer Geschäftsleute und zivilgesellschaftlichen Organisationen ist von großer Bedeutung.“ Darauf wies er hin.
Kritik an der politischen Repräsentation
Durmuş erklärte, Bevölkerungszahl und wirtschaftliche Stärke der türkischen Gemeinschaft in Deutschland spiegelten sich nicht ausreichend in ihrer politischen Repräsentation wider:
„Wir sind hier eine große Gemeinschaft. Statt dass Kandidaten mit türkischen Wurzeln vor den Türen der Parteien warten, sollten die Parteien auf unsere Gemeinschaft zukommen und qualifizierte Persönlichkeiten als Kandidaten gewinnen wollen.“
Aufruf an Vereine, Pressemitteilungen zu verfassen
Zur Bedeutung institutioneller Kommunikation für mehr Berichterstattung über Vereinsveranstaltungen sagte Durmuş, allein ein Plakat in sozialen Medien zu teilen, reiche nicht aus.
Vereine sollten vor Veranstaltungen professionelle Pressemitteilungen vorbereiten und anschließend wie deutsche Einrichtungen einen gemeinsamen Informationstext veröffentlichen. Dies verhindere widersprüchliche Informationen und erleichtere den Medien den Zugang zu korrekten Angaben.
Der HTBB habe in den vergangenen zwei Jahren wichtige Schritte zur institutionellen Festigung unternommen, erklärte Durmuş. Er erinnerte daran, dass alle zivilgesellschaftlichen Organisationen das Vereinslokal kostenlos für Pressekonferenzen mit etwa 30 bis 35 Personen nutzen könnten.
Murat Kaplan ruft zu Einheit und Solidarität auf
TGH-Vorsitzender Murat Kaplan dankte dem HTBB für die Einladung und betonte in seiner Rede die Bedeutung von Einheit und Solidarität.

In diesem Jahr würden gemeinsam der 65. Jahrestag der Migration und das 40. Gründungsjubiläum der Türkischen Gemeinde Hamburg(TGH) gefeiert, erklärte Kaplan. Das Festprogramm werde im Hamburger Rathaus stattfinden: „Sie alle sind zu dieser Veranstaltung eingeladen.“ Das sagte er den Anwesenden.
Dieses Jahr umfasse auch Jahrestage schmerzhafter Ereignisse, erinnerte Kaplan, insbesondere den Mord an Ramazan Avcı vor 41 Jahren und den Mord an Süleyman Taşköprü vor 25 Jahren. Im vergangenen Jahr seien beim Gedenken an Ramazan Avcı zahlreiche Organisationen mit Wurzeln in der Türkei zusammengekommen, erklärte Kaplan: „Das sind wirklich sehr schmerzhafte Ereignisse. Es ist traurig, wenn die Gemeinschaft nur bei solchen Ereignissen oder bei Katastrophen wie Erdbeben zusammenkommt. Wir müssen auch in normalen Zeiten zusammenkommen, miteinander sprechen und unsere Verbindungen stärken.“ Darauf kam es ihm an.
Es gebe in Hamburg viele gemeinsame Themen, die zusammen angegangen werden müssten, betonte Kaplan: „Dazu gehören beispielsweise Hamburgs Olympiabewerbung, Rassismus und Druck auf unterschiedliche Gemeinschaften. Manchmal sind sogar unsere Nachbarn von diesem Druck betroffen. Zuletzt haben wir bei der Veranstaltung der Diyanet-Moschee in Bergedorf gesehen, wie eine bestimmte Gruppe Druck auf die Veranstaltung auszuüben versuchte.“ So schilderte er seine Beobachtung.
„Politisch sind wir stark, gesellschaftlich müssen wir sichtbarer werden“
Die türkische Gemeinschaft besitze bei Wahlen großes Potenzial, sagte Kaplan, erreiche bei kulturellen und sozialen Veranstaltungen aber nicht dieselbe Sichtbarkeit.
Bei manchen offiziellen Veranstaltungen in Altona sei die türkische Gemeinschaft nicht ausreichend vertreten, erklärte Kaplan. Stärkere Beziehungen zu deutschen Einrichtungen und zur Nachbarschaft seien deshalb wichtig.
Zivilgesellschaftliche Organisationen müssten häufiger an einem gemeinsamen Tisch zusammenkommen, betonte Kaplan: „Wir suchen die Fehler immer bei anderen. Wir sollten zuerst auf uns selbst schauen und bei uns mit dem Wandel beginnen.“
Teilnehmende teilen ihre Sichtweisen
Im offenen Teil des Programms äußerten die Teilnehmenden ihre Ansichten und Vorschläge für eine bessere Zusammenarbeit zwischen Medien und zivilgesellschaftlichen Organisationen.
Einigkeit bestand insbesondere darin, junge Menschen stärker in die gesellschaftliche Arbeit einzubeziehen, mehr gemeinsame Projekte zwischen Einrichtungen zu entwickeln und die Kommunikation zu stärken.
Zwei große Ziele für die Zukunft
Zum Abschluss des Programms formulierte HTBB-Vorsitzender Ahmet Durmuş zwei wichtige Ziele für die Zukunft der türkischen Gemeinschaft in Hamburg.
Zunächst schlug er ein Bildungsprogramm zur Ausbildung mehrsprachiger junger Journalisten vor. Dazu erklärte Durmuş, für die Stimme der Gemeinschaft seien Nachwuchsjournalisten mit Deutsch-, Türkisch-, Englisch- und Französischkenntnissen besonders wichtig.
Als zweites Ziel brachte er eine Stiftungsschule in Hamburg mit Unterricht auf Türkisch und Deutsch ins Gespräch. Nach Ansicht von Durmuş brauche es dauerhafte Bildungseinrichtungen, um Türkisch an kommende Generationen weiterzugeben.
Der Vorsitzende sagte: „Wir werden vom deutschen Staat weiterhin Türkischunterricht fordern. Wenn wir daneben aber eine eigene Stiftung gründen und eine zweisprachige Schule schaffen können, hinterlassen wir den kommenden Generationen ein sehr wichtiges Erbe.“
Das Treffen endete mit Einigkeit darüber, gemeinsame Projekte zu entwickeln und die Kommunikation zwischen den Einrichtungen zu stärken. Zum Abschluss gab es für die Teilnehmenden Speisen mit Unterstützung von Köz Adana und Getränke mit Unterstützung von Ararat GmbH. Bei der Bewirtung konnten sich die Gäste kennenlernen und miteinander ins Gespräch kommen. Auch İmaj Video unterstützte die Veranstaltung als Sponsor. Ein gemeinsames Erinnerungsfoto rundete das Treffen ab.





















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