Eine Delegation von TGH, TÖDer und HTVB traf Hamburgs Schulsenatorin Ksenija Bekeris und legte weitreichende Forderungen zu Herkunftssprachenunterricht, Wahlfreiheit beim Religionsunterricht und Chancengleichheit in der Bildung vor.
HAMBURG – Bei dem hochrangigen Treffen am 27. Februar 2026 wurden langjährige Bildungsprobleme der türkischen Gemeinschaft in Hamburg und Lösungsvorschläge besprochen. Vertreter der Türkischen Gemeinde Hamburg (TGH), des Türkischen Lehrervereins (TÖDer) und des Türkischen Elternbunds (HTVB) präsentierten Senatorin Bekeris mit einer Delegation aus Bilge Yörenç, Ayşen Çiker und Azmi Akgül ein umfassendes Reformpaket.
„Das Entscheidungsrecht der Eltern darf nicht nur auf dem Papier stehen“
Eines der wichtigsten Themen war der Religionsunterricht in den Klassen 1 bis 6. Die Delegation erinnerte daran, dass nach dem Grundgesetz und dem Hamburger Schulgesetz Eltern bis zum Alter von 14 Jahren entscheiden, ob ihre Kinder am Religionsunterricht teilnehmen, und wies auf Mängel in der Praxis hin:
- Fehlende Informationen: Es wurde betont, dass Eltern nicht rechtzeitig und transparent über dieses Recht informiert würden.
- Bedarf an Alternativen: Viele Schüler würden faktisch am Religionsunterricht teilnehmen, ohne eine wirkliche Wahlmöglichkeit erhalten zu haben.
Türkisch soll als „gleichwertige Alternative“ anerkannt werden
Die zivilgesellschaftlichen Organisationen formulierten entsprechend Hamburgs multikultureller Struktur folgende konkrete Forderungen:
- Balance zwischen HSU und Religionsunterricht: Während der Religionsunterrichtsstunden soll Herkunftssprachenunterricht (HSU) als gleichwertige Alternative angeboten werden.
- Zweite Fremdsprache: Türkisch soll für alle Schüler offiziell den Status einer zweiten Fremdsprache erhalten.
- Vermeidung von Nachteilen: Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, dürfen weder administrativ noch sozial ausgegrenzt werden.
- Regelung der Mindestanmeldungen: Die Mindestzahl erforderlicher Anmeldungen für neue Türkischklassen soll auf ein angemessenes Niveau gesenkt werden.
Konstruktive Rückmeldung des Senats
Das Treffen sei sehr konstruktiv und von gegenseitigem Respekt geprägt gewesen. Senatorin Bekeris habe die geäußerten Sorgen aufmerksam aufgenommen; es sei vereinbart worden, administrative Lösungswege zu prüfen.
Wie geht es weiter?
In einer gemeinsamen Erklärung kündigten TGH, TÖDer und HTVB an, den Prozess weiterzuverfolgen. Sie legten folgenden Fahrplan vor:
- Schriftliche Übermittlung der Forderungen an die zuständigen Behörden.
- Bewertung rechtlicher und administrativer Möglichkeiten durch Fachleute.
- Entschlossene Fortsetzung der Gespräche auf politischer Ebene.
- Regelmäßige Information unserer Mitglieder
Nach dem Treffen erklärten Bilge Yörenç, Ayşen Çiker und Azmi Akgül gemeinsam:
„Wir werden im Sinne von Transparenz, Gleichberechtigung und Bildungsgerechtigkeit entschlossen weiterarbeiten, damit Mehrsprachigkeit im Hamburger Bildungssystem als grundlegende Bereicherung anerkannt wird.“
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