HAMBURG – Zum 40. Jahrestag der Ermordung von Ramazan Avcı(26) durch Neonazis beginnt eine Veranstaltungsreihe am Montag, dem 17. November, mit einer Podiumsdiskussion. Sie findet von 19.00 bis 21.00 Uhr in der Zentralbibliothek, Hühnerposten 1, 20097 Hamburg, statt. Auch die Familie Avcıs nimmt teil. Themen sind Rassismus, das Gedenken an seine Opfer und die Bedeutung der Erinnerungskultur.

Familie und Fachleute sprechen

Auf dem Podium sind Ramazan Avcıs Ehefrau Gülüstan Avcı und sein Sohn Ramazan Cem Avcı sowie der Rechtsanwalt, der 2010 die Gründung der Ramazan-Avcı-Initiative anstieß, Ünal Zeran . Moderiert wird die Veranstaltung von Paula Scholz aus der Bildungsarbeit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und Nadine Arahavelias aus der Netzwerkbetreuung der Fangruppen des HSV aus der 1. Bundesliga.

Zur Zeit der Ermordung Ramazan Avcıs gehörten auch Mitglieder von HSV-Fangruppen zu den Angreifern. Der Verein setzt sich in den letzten Jahren mit diesem dunklen Teil seiner Geschichte auseinander, thematisiert die Tat im Museum und zeigt vor Spielen auf der Stadionanzeige ein Porträt Avcıs als klare Verurteilung von Rassismus. Die Podiumsdiskussion ist für alle Interessierten offen und kostenlos.

Bis zum 21. Dezember 2025 finden in verschiedenen Hamburger Stadtteilen weitere Veranstaltungen statt. Am 21. Dezember wird eine größere Gedenkzeremonie abgehalten.

Rassistischer Angriff löst Entsetzen aus

Der in Gönen in Isparta geborene Ramazan Avcı wurde am 21. Dezember 1985 in Hamburg-Landwehr mit seinem Bruder und einem Freund von einer rund 30-köpfigen rechtsextremen Gruppe aus Skinheads und Neonazis angegriffen. Bruder und Freund retteten sich in einen Bus. Avcı wurde mit Baseballschlägern, Tritten und Schlägen schwer verletzt. Der auf die Intensivstation gebrachte Avcı starb am 24. Dezember, Heiligabend, ohne aus dem Koma erwacht zu sein.

Der Mord vereinte Einwanderer aus der Türkei mit unterschiedlichen politischen Ansichten gegen Rassismus. Zehntausende nahmen an Protesten teil. Organisationen im gemeinsamen Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit gründeten danach die später Türkische Gemeinde in Deutschland genannte überparteiliche Dachorganisation Bündnis Türkischer Einwanderer .

Ramazan-Avcı-Platz wird Erinnerungsort

Avcıs Andenken blieb in den ersten Jahren lebendig, drohte dann jedoch zu verblassen. Auf Initiative des Rechtsanwalts Ünal Zeran entstand 2010 die Initiative zum Gedenken an Ramazan Avcı. Sie nahm Kontakt zur Familie auf, ermöglichte regelmäßiges Gedenken und brachte die Tat zurück ins gesellschaftliche Gedächtnis. Auf ihre Arbeit hin benannte das Bezirksamt Hamburg-Nord 2012 einen Platz, eine Bushaltestelle und eine Fahrradstation in Landwehr nach Avcı. Außerdem wurde dort ein dreisprachiger Gedenkstein aufgestellt.

Zum 40. Jahrestag wird der Ramazan-Avcı-Platz nach den Wünschen von Gülüstan Avcı erneuert. Studierende der Hochschule für bildende Künste Hamburg entwickelten mit Familie und Initiative einen Entwurf, der durch dauerhafte Tafeln gegen Rassismus und weitere Gestaltung einen bleibenden Erinnerungsort schaffen soll.