Bei der vom türkischen Generalkonsulat Hamburg organisierten Konferenz „Wir können Sucht überwinden“ betonten Fachleute, Sucht sei eine Krankheit und frühes Eingreifen, familiäre Unterstützung sowie geeignete Behandlung seien wichtig.
HAMBURG / Naciye ASLAN
Die Konferenz im Saal der Türkischen Gemeinde in Hamburg und Umgebung (TGH) fand im Rahmen der Arbeit des türkischen Generalkonsulats statt. Es sprachen Yeşilay-Vertreter und Fachpsychologe Ersin Alpaslan, Vizekonsulin Yıldız Albostan sowie Pädagogin und Familienberaterin Sümeyye Lambrecht.
Psychologin Beyza Übeyli vom Generalkonsulat moderierte die Veranstaltung am Sonntag, 14. Dezember. TGH-Vorsitzender Murat Kaplan, Vorstandsmitglieder, Unternehmer, zivilgesellschaftliche Vertreter und Medienvertreter waren dabei.

Substanzgebundene und Verhaltensabhängigkeiten
Ersin Alpaslan vom Yeşilay-Beratungszentrum (YEDAM) gab einen umfassenden Vortrag zu Suchtformen wie Substanzen, Glücksspiel, Spielen, Alkohol, Tabak und digitalen Medien sowie möglichen Lösungen. Er unterschied „Substanzabhängigkeiten“ und „Verhaltensabhängigkeiten“. Zu ersteren zählte er Drogen, Alkohol, Tabak und den Missbrauch verschreibungspflichtiger Medikamente; zu letzteren Glücksspiel, Internet und soziale Medien, Computerspiele, Einkaufen und Technologie.

Als Anzeichen beschrieb Alpaslan, dass Betroffene eine Substanz oder ein Verhalten aufgeben möchten, es aber nicht schaffen. Sie brauchten mit der Zeit mehr; beim Aufhören entstünden Unruhe, Gereiztheit und Schlaflosigkeit. Gestörte Familien-, Arbeits- und Sozialbeziehungen sowie Verheimlichen, Lügen und Leugnen beeinträchtigten die Lebensqualität stark.

Behandlung bei Sucht notwendig
Sucht sei eine Erkrankung des Gehirns, sagte Alpaslan. Ohne Behandlung sei keine Besserung möglich, und Betroffene müssten umfassend unterstützt werden. Sucht stehe direkt mit dem Dopaminsystem in Verbindung. Substanzkonsum beginne häufig mit leichteren und gehe später zu stärkeren Substanzen über, was die Betroffenen zunehmend hilflos mache.
Alpaslan sagte, Abhängige könnten ihren Alltag nicht gesund gestalten. Es gebe körperliche Beeinträchtigungen; gesunde Beziehungen zu Familie und Kindern würden schwierig. Das Eingeständnis der Abhängigkeit sei ein schwerer Prozess. Allein kein Konsum im Gefängnis bedeute noch keine Genesung; ungelöste Probleme könnten die Abhängigkeit nach der Haft fortbestehen lassen.
Nach dem Entschluss aufzuhören müssten auch psychischer Zustand und Umfeld berücksichtigt werden. Begleitende Probleme wie Depressionen seien zu behandeln, und alle Ursachen der Sucht müssten beseitigt werden. Geistige Vorbereitung sei wichtig; Betroffene müssten die Sucht anerkennen und freiwillig zur Behandlung bereit sein.
Kostenlose Unterstützung für Betroffene und Familien
Für den Umgang der Familien mit Betroffenen sei fachliche Unterstützung wichtig; beide Eltern sollten eine gemeinsame Haltung entwickeln. Yeşilay biete in der Türkei und Nordzypern die kostenlose Beratungshotline 115. Aus Deutschland seien Onlinegespräche mit YEDAM unter 0090 212 444 79 75 möglich. Für Unterstützung in Hamburg könne das Generalkonsulat unter 040 444 05 157 kontaktiert werden.

Pädagogin und Familienberaterin Sümeyye Lambrecht erklärte, Abhängigkeit habe viele Formen wie Tabak, Substanzen, Glücksspiel, Alkohol und Technologie und betreffe alle gesellschaftlichen Gruppen und Altersstufen. Fast jeder erlebe inzwischen Sucht in seinem Umfeld. Sie sei eine schwere gesellschaftliche Herausforderung, und oft erkenne der Betroffene selbst sie zuletzt.

Vizekonsulin Yıldız Albostan sagte, Menschen ohne Naturkontakt und soziale Aktivitäten versuchten, ihren Bedarf an Dopamin und Serotonin für Glück auf falschen Wegen zu erfüllen. Tabak und Alkohol seien wegen leichter Verfügbarkeit weitverbreitete Suchtformen; auch Drogen seien für junge Menschen zunehmend einfacher erreichbar.

Nach den Reden beantwortete Ersin Alpaslan Fragen der Teilnehmenden.


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