Das Theaterbrückenfestival in Hamburg hebt in diesem Jahr zum 9. Mal den Vorhang und bringt verschiedene Sprachen und Kulturen auf derselben Bühne zusammen. Kunstfreunde erleben unvergessliche Momente.

„Can Pazarı“ kritisiert die Alltäglichkeit von Gewalt

Das vom Mut! Theater in Hamburg organisierte 9. Theaterbrückenfestival bringt Ensembles und Künstler unterschiedlicher Kulturen zu kunstvollen Tagen zusammen. Seit dem 7. Mai läuft das Festival. Am Sonntag, 10. Mai, erhielt das von Kemal Kocatürk geschriebene und inszenierte türkischsprachige Stück „Can Pazarı“ für sein Thema und die eindrucksvollen Darbietungen großen Zuspruch.

Mut! Theater baut Brücken mit der Kraft der Kunst

Die Produktion besteht aus acht kurzen Stücken. Neben Kemal Kocatürk spielen Emir Akköse, Ahmet Özer, Duygu Yapkuöz, Cansu Yıldız, Kemal Oğuz Taş und Gökmen Müftüoğlu mit.

Mut! Theater baut Brücken mit der Kraft der Kunst

Das Stück bringt die Gewaltwelle der letzten Jahre eindringlich auf die Bühne. Es hinterfragt kritisch die zunehmende Umklammerung des gesellschaftlichen Lebens durch Gewalt, die Gleichgültigkeit gegenüber individuellem Leid und die Normalisierung von Gewalt.

Mut! Theater baut Brücken mit der Kraft der Kunst

Şengül Pak verbindet traditionelle Melodien mit modernen Interpretationen

Nach dem Stück trat Şengül Pak mit kurdischen Melodien auf und schuf eine emotionale, kulturelle Atmosphäre.

Mut! Theater baut Brücken mit der Kraft der Kunst

Die Künstlerin aus Dersim interpretierte traditionelle Kilams und Klagegesänge ihrer Region modern und verband damit Vergangenheit und Gegenwart. Auf der Bağlama begleitete sie Caner Yılmaz.

„Kunst stärkt Solidarität“

Bei einer Zwischenbilanz sagte Mut!-Theater-Leiter Mahmut Canbay, die Veranstaltungen überträfen die Erwartungen an Publikumsinteresse. Er betonte die Kraft der Kunst, Kulturen und Sprachen zusammenzuführen. Canbay sagte, Theater und Musik sollten dem Publikum gemeinsam eine vielfältige Kunstatmosphäre bieten. Künstler aus anderen Städten könnten sich stärker vernetzen, erklärte Canbay. Künstlerische Solidarität, gemeinsame Arbeitsräume und stärkere kulturelle Beziehungen gehörten zu den Hauptzielen.

Auch an den folgenden Tagen werden Künstler aus anderen Städten mit Theater und Musik auftreten.

Reichhaltiges Programm in der zweiten Woche

Das Mut! Theater bietet in den kommenden Tagen neben Stücken auch gesellschaftskritische Darbietungen und grenzüberschreitende Melodien.

Die Programmpunkte:

Donnerstag, 14. Mai 2026 – 18.00 Uhr

Stück: „Turkish Delight“ (Türkisch)

Aslı und Kerem, zwei unterschiedliche Charaktere, begegnen einander nach Jahren wieder. Ihre Geschichte regt zum Nachdenken über Beziehungen, Veränderung und Anpassung an.

Freitag, 15. Mai 2026 – 19.00 Uhr

Stück: „Melankolî“ – Puppentheater für Erwachsene (Kurdisch/Kırmancki)
Künstler: Mirza Metin

In „Partiya Lepikên Çenebaz“ verbindet der Künstler Puppentheater, Stand-up und Talkshow zu politischer Komödie. Die Aufführung betrachtet die soziale und politische Situation der Kurden humorvoll und ironisch, bewegt sich zwischen Realität und Fiktion und greift mithilfe von Puppen aktuelle Themen auf. Mirza Metin arbeitet seit vielen Jahren im Theater und ist auch als Regisseur und Lehrer bekannt.

Samstag, 16. Mai 2026 – 20.00 Uhr

Konzert: Şenkop

Bandmitglieder: Cem Mazlum (Schlagzeug), Rûbar Dindar (Keyboard/Gesang), Ruşen Can Acet (Kabak Kemane/Gesang) und Aslı Töre (visuelle Gestaltung)

Der Name „Şenkop“ verbindet das türkische „Şen“ für Freude und Glück mit der musikalischen Synkope, die unerwartete rhythmische Betonungen setzt. Die Gruppe interpretiert traditionelle Volkslieder Anatoliens und benachbarter Regionen mit modernen Arrangements neu. So entsteht eine energiegeladene, zeitgenössische Musik, die ihren kulturellen Kern bewahrt.

Sonntag, 17. Mai 2026 – 19.00 Uhr

Stück: „Mirina Janne d’Arce“ (Kurdisch)

Autor: Stefan Tsanev
Regie: Berfin Emektar

Darsteller: Nurşen Adıgüzel, Yavuz Akkuzu und Özcan Ateş

Die Adaption von Stefan Tsanevs „Jeanne d’Arcs wahnsinnigem Tod“ hinterfragt mit symbolreicher Erzählweise, wie besonders Frauen durch Religion und patriarchalischen Nationalismus unterdrückt werden. Das stellenweise humorvolle Werk betont am Ende den stillen, aber kraftvollen Widerstand der Menschheit gegen unterdrückende Mächte.