Der 45-jährige Verdächtige, der nach dem bewaffneten Angriff auf eine Jugendhilfeeinrichtung in Stade in Niedersachsen mit 6 getöteten Beschäftigten festgenommen worden war, wurde in Untersuchungshaft genommen. (Symbolbild)
Asbülten
HAMBURG – Nach dem bewaffneten Angriff in Stade, der Deutschland tief erschütterte, veröffentlichten die ermittelnde Staatsanwaltschaft und Polizei neue Informationen über die Hintergründe.
Alle sechs Menschen, die bei dem Angriff am 29. Juni auf eine Jugendhilfeeinrichtung in Stade starben, waren nach Angaben der Behörden Beschäftigte der Einrichtung. Die Opfer waren vier Frauen und zwei Männer. Fünf starben am Tatort; ein schwer verletzter Beschäftigter starb im Krankenhaus.
Angriff während eines Sorgerechtsgesprächs
Der im Rahmen der Ermittlungen festgenommene 45-jährige Verdächtige war wegen eines laufenden Sorgerechtskonflikts um seine drei Monate alte Tochter zu einem vereinbarten Gespräch in der Einrichtung gekommen. Während des Gesprächs soll er mit einer mitgebrachten, nicht erlaubten Schusswaffe geschossen und anschließend versucht haben, vom Tatort zu fliehen. Die Polizei stoppte während der Flucht sein Fahrzeug und nahm ihn fest.
Die Behörden erklärten, es gebe keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit organisierter Kriminalität, Terrorismus oder einem politischen Motiv. Der Fall werde als tragische Gewalttat infolge eines familiären Sorgerechtsstreits bewertet.
Verdächtiger in Untersuchungshaft und in Justizvollzugsanstalt gebracht
Die Staatsanwaltschaft Stade beantragte einen Haftbefehl wegen sechs einzelner Mordvorwürfe. Sie erklärte, sie bewerte den Vorfall wegen der „Ausnutzung der Wehrlosigkeit“ als sechs Morde. Das Amtsgericht Stade folgte dem Antrag und erließ am selben Tag Haftbefehl. Nach Abschluss der erforderlichen Maßnahmen wurde der Verdächtige in eine Justizvollzugsanstalt (JVA) gebracht. Die Staatsanwaltschaft teilte außerdem mit, gegen zwei im Zusammenhang mit dem Vorfall festgenommene Frauen sei kein Haftantrag gestellt worden; sie seien aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden.
Ermittlungen dauern an
Das drei Monate alte Baby des Angreifers und die Mutter des Kindes überlebten den Vorfall. Nach jüngsten Berichten deutscher Medien wird im Rahmen der Ermittlungen auch der Vorwurf geprüft, das Baby könne bereits vor dem Angriff körperlicher Gewalt ausgesetzt gewesen sein.
Der Vorfall löste in ganz Deutschland große Trauer aus. Zahlreiche Politiker, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, richteten Beileidsbotschaften an die Familien der Opfer. Das niedersächsische Innenministerium erklärte, die Ermittlungen liefen in alle Richtungen, und sämtliche Einzelheiten würden sorgfältig geprüft.
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